Singles leicht gemacht
Michael Mary über die Ego-Fallen von Singles und die
Lösungen
In Zeiten des World Wide Web könen mühelos einfach
Parterschaftsanzeigen geschaltet werden. Es funktioniert
fast wie an der Börse. In Sekundenbruchteilen wird
sortiert,
analysiert, angebahnt und wieder aussortiert. Zurück
bleiben
frustrierte Langzeitsingles, die mit Check-Listen im Kopf
an potientielle Partner herangehen. Welche Fehler sie bei
ihrer Suche mchen, dürfte den wenigsten dabei bewusst
sein.
Doch die Fallbeispiele, die der erfahrene Paarberater
Michael
Mary in seinem Ratgeber "Wo bist du und wenn nicht,
wieso?"
auflistet, sind sehr skurril. Die eine Frau sortiert
einen
Mann aus, weil er weiße Socken trägt. Ein Mann beendet
eine
Liaison, weil die Herzensdame nicht rasiert ist.
Übertriebene
Erwartungen töten jedenfalls die Leidenschaft und die
Annäherung.
Marie will einen attraktiven, zuvorkommenden,
wohlhabenden
Mann, der sie finanziell entlastet. Marie versucht zudem
in
Beziehungen, den Partner nach ihrem Bilde zu formen. Eine
Vorgehensweise, die schief gehen muss. Wo sonst, wenn
nicht
in einer Liebesbeziehung dürfen wir so sein, wie wir
sind.
Mit all den Schwächen und Fehlern. Wenn sich suchende
Singles
verabreden, messen sie oft jedem Wort, jeder Geste eine
immense
Bedeutung zu. Sie interpretieren anstatt nachzufragen und
beenden
Kontakte sehr schnell wieder aufgrund von dieser harten
Vorurteile.
Der falsche Nagellack, unterschiedliche Ansichten über
Einkünfte,
die "falsche" Körpergröße oder der Akzent sind
bei Langzeitsuchenden
schon Ausschlusskriterien. Anstatt einfach ohne jede
Erwartung
aufeinander zuzugehen, sich zu offenbaren und bei
Missverständnissen
nachzufragen, ziehen diese Singles einfach weiter. Und
bleiben
in einer Falle der Einsamkeit stecken. Michael Mary rät
zum Wundern
und Staunen über die Andersartigkeit des anderen. Er weiß
dass
Unterschiede für eine Partnerschaft wichtig sind. Und
dass Liebe
und Zuwendung nicht künstlich oder willentlich erzeugt
werden können.
Verliebte sind blind für die Schwächen des anderen.
Rational suchende
Singles sind das leider nicht. Gnadenlos sezieren sie den
anderen,
scannen ihn und pressen ihn in ein Raster. Die
Fallbeispiele zu den
Kapiteln sind in rosa Kästen eingefasst und geben eine
gute Hilfestellung
in Sachen Absurdität der Kritikpunkte. Marie brach einen
Kontakt zu
einem Mann ab, weil er ihr im Resaurant nicht die Tür
aufgehalten hat.
Der Autor tritt auch als Coach auf, indem er Raum für
eigene
Reflexionen bietet. Zum Beispiel zu eigenen "wunden
Punkten" und den
Reaktionen darauf. Als Training gegen vorschnelle
Interpretationen
schildert er Szenen aus fiktiven Treffen wie mit einem
Mann, bei dem
pausenlos das Handy klingelt. Die eigenen drei
Deutungsmöglichkeiten
können im Buch notiert werden. Mary gibt selber auch
Beispiele dafür
mit je einem möglichen Fazit. Es macht also Sinn, besser
nachzufragen,
als vorschnell zu urteilen. Michael Mary's Rezept für
eine Beziehung
ist ganz einfach: am besten auf gar keine bewusst
zusteuern, sondern
einfach Beziehungen pflegen. Schlussendlich entscheiden
die Gefühle -
ganz unbewusst.
Ein überraschend progressives Arbeitsbuch mit lockerem
Unterton. Nach
der Lektüre fühlt sich sicher jeder Single erleichtert
und sieht alles
mit einem Augenzwinkern.
(c) Corinna S. Heyn
Michael Mary,
Wo bist du und wenn nicht, wieso?
Wie Sie den passenden Partner finden, ohne ihn zu suchen.
Gräfe und Unzer 2011.
Preis: 14,99 Euro
www.gu.de